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Deine Sonne wird nicht mehr untergehen und dein Mond nicht mehr verschwinden; denn der HERR wird dir zum ewigen Licht werden, und die Tage deiner Trauer sollen ein Ende haben.
Jesaja 60,20

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Die Bibel und das Erfolgs- und Wohlstandsevangelium

Sie versprachen den Gläubigen eine schicke Wohnung, gar ein eigenes Haus: die Apostel des Wohlstands-Evangeliums. Und es klappte tatsächlich. In der Boom-Zeit der faulen Kredite in den USA wurde der Geldregen auf Pump als Geschenk Gottes an gläubige Christen ausgelegt.

Zuhauf gab es Berichte von US-Christen darüber, „wie Gott mich trotz meiner schlechten Kreditwürdigkeit mit einem Haus gesegnet hat." Doch dann platzte die Kreditblase, und gerade viele „Wohlstands"-Christen stürzte dieser Umstand in den totalen Bankrott. Nach Ansicht des US-Religionswissenschaftlers Prof. Jonathan Walton hat gerade die Verkündigung des Wohlstands-Evangeliums in einigen US-Kirchen die Finanzkrise verschärft und die Zahl der Opfer vergrößert. Dennoch: Viele US-Prediger halten unbeirrt an der Wohlstands-und Wohlfühl-Masche fest. Mit Slogans wie „Genieße das Leben" von Joyce Meyer oder „Lebe jetzt — wie Sie Erfolg, Freude und Zufriedenheit zu Ihrem alltäglichen Begleiter machen" von Joel Osteen locken sie Gläubige auf einen Weg, der nun gar nichts mit der Bibel zu tun hat. Oder doch?
Als Saulus zum Paulus wurde, erklärte da nicht eine göttliche Stimme: „Ich will dir zeigen, wie du jetzt dein Leben genießen kannst mit Erfolg, Freude und Zufrie¬denheit"? Jeder, der sich eine Bibel zur Hand nimmt, wird etwas ganz anderes lesen: „Ich will ihm [dem Paulus] zeigen, wie viel er leiden muss um meines Na¬mens willen", sagt Gott zu Hananias (Apg. 9,16). Das Neue Testament durchzieht der Grundtenor des Leids, und gerade das schmeckt der Natur des Menschen und seinem Trachten nach Wohlergehen nicht. Paulus und Barnabas ermahnten die Jünger, im Glauben zu bleiben, und sagten, dass „wir durch viel Trübsal in das Reich Gottes eingehen müssen" (Apg. 14,22). Seinen treuesten Jünger Timotheus erinnert der Völkerapostel: „... und alle, die fromm leben wollen in Christus Jesus, müssen Verfolgung leiden" (2. Tim. 3,12). Auch das klingt nicht nach einem Leben in vollen Zügen und überflie¬ßendem Reichtum, wie es uns oft heute vorgegaukelt wird. In der Bibel findet sich sogar ein ganzer Brief, der sich mit dem Thema Leid befasst, nämlich der 1. Petrusbrief. Petrus erklärt, wie durch die Anfechtungen und Traurigkeiten der Glaube vertieft und geläutert wird (1. Petr. 1,6-7). Also so ziemlich das Gegenteil von einer Spaßgesellschaft und einem Christentum, das die Nachfolge ebenfalls mit Genuss und Spaß verwechselt hat. Christus wird den Gläubigen in Kleinasien als Vorbild in dem, was er gelitten hat, vorgestellt, „damit wir seinen Fußstapfen nachfolgen sollen" (1. Petr. 2,21). In Hebr. 5,8 heißt es über Jesus Christus: „So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt. Wenn das für den Sohn Gottes galt, wie viel mehr dann für uns. Der Knecht ist bekanntlich nicht größer als sein Herr." Und weiter heißt es: „Weil nun Christus im Fleisch gelitten hat, so wappnet euch auch mit demselben Sinn, denn wer im Fleisch gelitten hat, der hat aufgehört mit der Sünde, dass er hinfort die noch übrige Zeit im Fleisch nicht den Begierden der Menschen, sondern dem Willen Gottes lebe" (Kap. 4,1-2).
Leid und nicht Genuss oder materielle Segnungen sind das durchgängige Thema in den Briefen der Apos¬tel. Paulus erklärt sogar: „Denn euch ist es gegeben um Christi willen, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden" (Phil. 1,29).

Wird so etwas noch in unserer westlichen Wohl¬stands- und Wohlfühl-Gesellschaft verkündigt, wo man Nachfolge inzwischen „feiert"? Den Korinthern, die ebenfalls in der Gefahr standen zu herrschen, „Dominion" auszuüben, schreibt Paulus ungeschminkt ins Stammbuch: „Ihr seid schon satt geworden? Ihr seid schon reich geworden? Ihr herrscht ohne uns? Ja, wollte Gott, ihr würdet schon herrschen, damit auch wir mit euch herrschen könnten! Denn ich denke, Gott hat uns Apostel als die Allergeringsten hingestellt, wie zum Tode Verurteilte. Denn wir sind ein Schauspiel ge¬worden der Welt und den Engeln und den Menschen.

Wir sind Narren um Christi willen, ihr aber seid klug in Christus, wir schwach, ihr aber stark, ihr herrlich, wir aber verachtet. Bis auf diese Stunde leiden wir Hunger und Durst und Blöße und werden geschlagen und haben keine feste Bleibe und mühen uns ab mit unsrer Hände Arbeit. Man schmäht uns, so segnen wir, man verfolgt uns, so dulden wir's, man verlästert uns, so reden wir freundlich. Wir sind geworden wie der Abschaum der Menschheit, jedermanns Kehricht, bis heute" (1. Kor. 4,8-13).

Gefängnis, Leid, Schläge, Verachtung, Armut, Ver¬folgung, Verspottung, Geißelung, Todesgefahr, Trübsal usw. — ein sehr „genussvolles" Leben! Selbst als Paulus fleht, wenigstens physisch ein normales Leben führen zu dürfen und ohne diese Behinderung bzw. diesen „Pfahl im Fleisch" existieren zu können, wird ihm die¬se Bitte nicht erfüllt (2. Kor. 12,9a). Sollte man nicht mindestens da versuchen, durch „positives Denken" dem entgegen zu steuern? Oder es per Visualisierung probieren, so wie Joyce Meyer es im Oktober 2007 in der Gruga-Halle in Essen empfahl: „Habe Glauben, Dinge zu tun, die bisher noch niemand getan hat— und stell dir das bildlich vor!"

Dieses ganze Wohlstandsevangelium ist eine Erfüllung von 2. Tim. 4,3, wo es heißt, dass die Menschen der letzten Tage Lehrer hofieren werden, die das erzäh¬len, wonach ihnen die „Ohren jucken". Und wer möchte nicht gerne hören, wie Gott ihn groß, reich, gesund, bedeutend usw. machen möchte. Es war die Botschaft der Freunde Hiobs, die nicht begreifen konnten, dass Hiob in all diesem Elend war, weil er sich im Willen Gottes befand. Es ist die Botschaft für eine nach Sin¬nenlust strebende Generation: Paulus kündigt an, dass die sogenannten „Frommen" der letzten Tage nicht nur sich selber (2. Tim. 3,2), sondern auch das Vergnügen lieben werden (Vers 4).

Der Berliner Charismatiker Wolfhard Margies, der ebenso wie Joyce Meyer diese „Dominion-Theologie" vertritt, versteigt sich sogar zu der Behauptung, dass verfolgte Christen deshalb so leiden mussten, weil sie falsch glaubten. Sie (die Christen in der ehemaligen Sowjetunion) „... haben durch ihre unbiblischen, dem Willen Jesu zuwider laufenden Leidensprioritäten die Obrigkeit indirekt in die Jahrhunderte langen anti¬göttlichen Herrschaftsformen getrieben. Mit ihrem verkehrten Verständnis haben sie dann schließlich das geerntet, was sie gesät haben", schreibt Margies in seinem Buch „Das Kreuz der Gesegneten".

Hat dann Jesus auch einen falschen Glauben angeboten? Der Gemeinde zu Smyrna verkündigt er: „Fürchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst! Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr versucht werdet, und ihr werdet in Bedrängnis sein zehn Tage. Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben" (Offb. 2, 10). Das ist das pure Gegenteil von dem heutigen Triumphalismus eines Wohlstands-Evangeliums. Es ist ungeheuerlich, was heute alles in der Christenheit ge¬duldet wird und verkündigt werden darf. Diese westliche Generation hat aus ihrer Anpassung an den Zeitgeist, ihrem Streben nach Sinneslust, Gesundheitswahn, ih¬rer Spaßorientierung und Selbstliebe buchstäblich ein „Evangelium" gemacht. Den geistlichen Zustand dieser Prediger und Anhän¬ger des Wohlfühl- und Erfolgsevangeliums charakte¬risiert vielleicht am besten die Aussage Jesu Christi an eine wohlhabende und erfolgsverwöhnte Gemeinde, nämlich die von Laodizea: „Du sprichst: Ich bin reich und habe genug und brauche nichts! Und weißt nicht, dass du elend und jämmerlich bist, arm, blind und bloß" (Offb. 3,17).

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