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Große Koalition gegen christliche Fundamentalisten - und die Evangelische Allianz macht mit!

Von Joachim Schmitsdorf / Hans-Werner Deppe

Zur TV-Sendung "Die Hardliner des Herrn", die die ARD am 11. Juli 2007 ausstrahlte und die sich gegen "christliche Fundamentalisten" richtete, bekam der Sender viele kritische Reaktionen. So beschloss man, am 7. Oktober 2007 in einer weiteren Sendung auch mit Repräsentanten der Evangelikalen darüber zu diskutieren.


Teilnehmer waren der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Jürgen Werth (als Vertreter der Evangelikalen), Prof. em. Erich Geldbach (ehem. Dozent für Ökumenik und Konfessionskunde an der Ruhr-Universität Bo-chum), Pfarrerin Annette Kick (Weltanschauungsbeauftragte der ev. Kirche in Württemberg) und Prof. Peter Steinacker (Präsident der ev. Kirche von Hessen-Nassau). Der Chefredakteur der HR-Kirchensendung "Horizonte" Meinhard Schmidt-Degenhardt leitete die Runde. Dabei zeigten sich die Diskussionsteil-nehmer in ihrer Ablehnung des Fundamentalismus derart einig, dass Schmidt-Degenhardt von einer "Großen Koalition" sprach.

Allianz-Chef Jürgen Werth, ERF: "Ich bin kein Fundamentalist"
Auch Jürgen Werth distanzierte sich ausdrücklich von christlichen Fundamentalis-ten (O-Ton: "Ich bin kein Fundamentalist") und nannte als definierendes Kennzei-chen pauschal ihre "Gesprächsunfähigkeit". Mit seiner Distanzierung folgt er anscheinend der Empfehlung des Präses des Gnadauer Gemeinschaftsverbands Pfr. Christoph Morgner. Dieser rät davon ab, sich Fundamentalist zu nennen, da man sonst "mit Bomben legenden Hamas-Anhängern, fanatischen Hisbollahs und sonstigen religiösen und politischen Radikalinskis gleichgesetzt" würde (idea-Meldung vom 13.02.07). Idea gab Werth wie folgt wieder: "Die Evangelische Allianz sei eine bunte, breite Bewegung, die jedoch nicht für das Aufkommen neuer Gruppen rechts und links von ihr in Verantwortung genommen werden könne." - Das fundamentale Festhalten an der Inspiration der Bibel ist jedoch kein Glaube einer abweichenden, neuen Randgruppe, sondern der herkömmliche christliche Standpunkt schlechthin.

Klare Begriffsdefinition schwierig
Dennoch fiel sowohl Werth als auch den anderen Diskutanten eine Abgrenzung zwischen Fundamentalisten und Evangelikalen schwer, da die Grenzen zwischen beiden manchmal fließend scheinen. Geldbach zufolge sind Fundamentalisten all jene, die die Bibel als irrtumslos und unfehlbar betrachten. Hier ist Jürgen Werths Aussage aufschlussreich, dass die Anzahl derer, die innerhalb der Ev. Allianz noch an der Verbalinspiration der Bibel festhielten, nicht allzu groß sei; die meisten Evangelikalen seien Mitglieder der Landeskirchen und hätten sich deren Position angenähert. Falls diese Einschätzung zutrifft, heißt das nichts ande-res, als dass inzwischen die Mehrheit der Evangelikalen der Bibelkritik huldigt und somit - undiplomatisch gesagt - vom biblischen Glauben abgefallen ist.
Scharfe Worte eines liberal-theologischen Baptisten Prof. Geldbach, der schon in der Vergangenheit bibeltreue Christen mehrfach scharf angegriffen hatte (so behauptete er z. B. in der baptistischen Zeitschrift "Die Gemeinde" vom März 2003, christliche Fundamentalisten seien "durchaus auch zur Gewalt bereit", ja sogar eine "Gefahr für den Weltfrieden"), erwies sich auch in dieser Sendung als streitbarer Mensch. Er sprach vom "Problemwort 'bibeltreu'" und warf den Fundamentalisten vor, sie klebten an Buchstaben, was "Wortterror" sei. Da fragt man sich, ob nach dieser seltsamen Logik ein Richter, der sich an Recht und Gesetz hält, nicht als "Paragraphenterrorist" bezeichnet werden müsste. Geldbach distanzierte sich zudem vom Kreationismus, den er wie auch andere Diskussionsteilnehmer heftig kritisierte. Geldbach warnte davor, dass sich die gemäßigten Gruppen in der Ev. Allianz zu sehr von Fundamentalisten einbinden lassen.

Berufsverbot für bibeltreue Christen?
Frau Kick hielt gar das Engagement von Absolventen bibeltreuer Ausbildungsstät-ten in Kirchengemeinden für eine "Gefahr", ebenso auch die Tätigkeit christlicher Fundamentalisten im Bereich von Medien oder Verlagen. - Das klingt ja ganz wie der Ruf nach einem Berufsverbot für bibeltreue Christen. Sollten also christliche Verlage und Ausbildungsstätten, die von der irrtumslosen Verbalinspiration der Bibel ausgehen, verboten werden?

Zuckerbrot und Peitsche: Entweder Vereinnahmung oder Ausgrenzung
Ähnlich kritisch äußerte sich Prof. Steinacker: "Fundamentalismus ist mit Gewalt verbunden gegen Menschen, die meinen Glauben nicht teilen." - Man darf sich fragen, ob solche Aussagen nicht auf Steinacker und Gesinnungsgenossen zu-rückfallen, denn jahrhundertelang haben schließlich die Landeskirchen friedliche "fundamentalistische" Freikirchen gewaltsam verfolgt. Andererseits würde Steinacker auch gerne die Frommen mit ins Boot von Lan-deskirche oder Ökumene holen. Ebenso wie Werth sieht er eine Annäherung zwischen Landeskirche und Pietisten, die er als "Schatz der Kirche" bezeichnete, "den man nicht herablassend behandeln sollte". Dass er damit nicht alleine steht, zeigt eine idea-Meldung vom 23.09.07. Danach buhlt auch Friedrich Weber, Bischof der braunschweigischen Landeskirche und Vorsitzender der "Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen", um die Evangelikalen: Er nannte die Pietisten "das Salz in der Suppe der Landeskirche"; als "gefährlich" hingegen bezeichnete er "christliche ebenso wie islamische Fundamentalisten", die von Evangelikalen zu unterscheiden seien.

Fazit
Bibelgegründeter Glaube gerät öffentlich immer mehr unter Druck und Verach-tung. Dass diese Diskriminierung auch von liberaltheologischen Landeskirchlern ausgeht, ist nicht neu. Dass Vertreter der Evangelikalen sich aber der Koalition gegen "christlichen Fundamentalismus" anschließen und sich damit u.a. von der Verbalinspiration distanzieren, ist hingegen sehr bedenklich. Ist man vor dem öffentlichen Druck eingeknickt oder ist das wirklich der Standpunkt der Deutschen Evangelischen Allianz?

Was ist eigentlich "Fundamentalismus"?
Die Ausdrücke "Fundamentalismus" und "Fundamentalisten" wurden 1920 in Anlehnung an die Aufsatzreihe "The Fundamentals: A Testimony To The Truth" geprägt ("Die Grundla-gen: ein Zeugnis für die Wahrheit"). Diese wurde zuerst zwischen 1910 und 1915 veröf-fentlicht und danach mehrfach neu aufgelegt (z. T. in überarbeiteter Fassung). Insbeson-dere verteidigte man darin die Heilige Schrift gegen die Bibelkritik, und wie der Titel schon sagt, ging es um das, was von Anfang an die Grundlage des christlichen Glaubens war. Fundamentalismus ist also keine Erfindung des 19. oder 20. Jahrhunderts. Auch die Re-formatoren waren in diesem Sinne "Fundamentalisten". Man kann sich daher nicht auf das reformatorische "Sola Scriptura" berufen und zugleich den Fundamentalismus ablehnen, wie Jürgen Werth es in dieser Fernsehdiskussion tat. Zu den Verfassern der "Fundamentals" zählen namhafte amerikanische und britische Theologen wie Reuben Archer Torrey, James Orr, Arno C. Gaebelein, Benjamin B. War-field, C. I. Scofield, Thomas Spurgeon, Arthur T. Pierson u. a. Unter ihnen sind sowohl Dispensationalisten als auch nicht-dispensationalistische Theologen. Es ist daher unzutref-fend, dass der Dispensationalismus (wie Geldbach behauptet) die Grundlage des Funda-mentalismus bilde. So formulierte z. B. die Generalversammlung der Presbyterian Church (reformierte Kirche in den USA) 1910 in den später "Five Fundamentals" genannten Grundsätzen die Anliegen der Fundamentalisten: 1. die Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit der Bibel; 2. die Geburt Jesu Christi durch eine Jungfrau und seine ewige Gottheit; 3. das stellvertretende Sühne-opfer Jesu Christi am Kreuz; 4. die leibliche Auferstehung Jesu Christi sowie 5. seine leib-liche Wiederkunft (nachzulesen beispielsweise in dem nicht fundamentalistisch, sondern historisch-kritisch geprägten Lexikon "Die Religion in Geschichte und Gegenwart"). Übrigens: was den oft bemühten Vergleich zum Islam betrifft, so könnte kein Moslem alle diese fünf Punkte unterschreiben.

Spätere Bedeutungsverschiebung
"Fundamentalismus" ist also ein genuin christlicher Begriff. Wie kommt es dann, dass man heutzutage darunter meist die Weltanschauung Bomben legender Terroristen versteht? Es ist das Ergebnis jahrelanger Begriffsverdrehung durch Meinungsmacher, die meist durch eine dezidiert antichristliche Haltung auffallen. (Interessant ist dabei, dass dieselben De-magogen gegenüber dem Islam eine oft bemerkenswerte Sympathie an den Tag legen und diesen gerne verharmlosen, wenn sie ihn nicht gerade als Buhmann benutzen, um bibeltreue Christen in ein- und denselben Topf zu werfen.) Zuerst begann die westliche Presse um 1980, im Zusammenhang mit der islamischen Revolution im Iran deren Vertreter (islamische) "Fundamentalisten" zu nennen. Zwar wehr-ten sich anfangs noch Islamkenner wie Peter Scholl-Latour gegen diese Fehlbezeichnung, doch der Begriff setzte sich durch und erfuhr so eine Bedeutungswandlung von "Verteidi-ger der christlichen Glaubensgrundlagen" zu "gemeingefährlicher religiöser Fanatiker".
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