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Menschheit wird psychisch kränker

Auf der Liste der weltweit umsatzstärksten Medikamente liegen auf Platz 1 Präparate zur Bekämpfung des Krebses, dicht gefolgt von Arzneimitteln, die gegen psychische Störungen verordnet werden. Wie psychisch krank sind die Menschen dieser Welt?

Die Meldungen der letzten Zeit sind dramatisch. Ob Vorschulkinder, Jugendliche oder Erwachsene: Die Zahl der Menschen mit seelischen Störungen und Erkrankungen schnellt in die Höhe — zumindest in Deutschland. So sind nach Be¬obachtungen von Professor Klaus Fröhlich-Gildhoff von der Evangelischen Fachhochschule Freiburg bereits 18 Prozent der Kinder im Vorschulalter verhaltensauffällig. Diagnostizierte man 1990 noch 1.500 Kinder mit dem sogenannten Aufmersamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Symptom (ADHS / "Zappelphillip-Syndrom"), so sind es heute an die 500.000 Fälle. Aber nicht nur bei Kindern und Jugendlichen nehmen die psychischen Störungen zu. Auch bei den Erwachsenen.

Die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) befragte 2005 rund 30.000 Mitarbeiter von deutschen Firmen, Verwaltungen und Industriebetrieben. Das Ergebnis war schockierend. Der Anteil der psychischen Erkran¬kungen an den Gesamtkrankheitstagen lag enorm hoch. Phänomene wie Ausgebranntsein (Burnout), Erschöpfungsgefühle, Depressionen wurden von fast einem Drittel der Arbeitnehmer in den anonymen Um¬fragen angekreuzt. Die Hälfte der Befragten litt dazu an Nacken-, Schulter- und Rückenbeschwerden, die oft auch psychosomatische Ursachen haben. Doch woran liegt es, dass immer mehr Menschen unter psychischen Störungen leiden?

Der Psychologe Klaus Weber, Professor an der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften der Fachhochschule München, sieht einen wesentlichen Grund in der heutigen Arbeitswelt: "Da, wo früher vier Leute beschäftigt waren, sind es heute zwei — und die haben aber sechs Mal so viel Arbeit." Aufgrund technischer Entwicklungen sei ein Verdichtungsprozess in Gang gekommen, der aus einem Arbeitnehmer körperlich und psychisch das Letzte herauszupressen versuche. Das heutige Arbeitsleben sei auf topfitte 25- bis 35-Jährige zugeschnitten, sodass ältere Mitarbeiter nicht mehr mithalten könnten. Altere Mitarbeiter, so Weber, „die schon einen gewissen körperlichen und geistigen Verschleiß haben, müssen mit hohem körperlichen und psychischen Aufwand Arbeiten leisten, die normalerweise 20 Jahre jüngere machen sollten, und das führt dazu, dass man einfach nicht mehr kann und depressiv wird." Als weiteren Faktor für psychische Erkrankungen nennt Weber den Konkurrenzdruck, die Ängste und das Mobbing, das es in jedem Betrieb gebe. Der Psychiater Michael Marwitz präzisiert diesen Faktor so: "Es geht in vielen Fällen nicht um Belastung, es geht um Kränkung." Kränkung durch fehlende Erfolgserlebnisse, durch schlechte Bezahlung für gute Leistung, durch Übergangenwerden bei Beförderungen, durch mangelnde Anerkennung. Es seien Kränkungen, die zu einer ständig nagenden Verletzung des Lebens würden.

 Aber auch die 25- bis 35-Jährigen, die eigentlich in der Lage sein sollten, vieles wegzustecken, sehen sich heute einem sehr hohen Druck ausgesetzt, dem viele nicht mehr standhalten. Soziologen nennen diesen Lebensabschnitt mittlerweile "Rushhour" (Hauptver¬kehrszeit) des Lebens. Das Ende des Studiums oder der Fachausbildung liegt bei Mitte bis Ende zwanzig. Das Ende der Karriereleiter ist oft bei Ende vierzig schon erreicht. In dieser Zeit muss man es beruflich "packen" — dazu noch Nestbau und Elternrolle bündeln, gegebenenfalls noch die Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen managen. Das ist für viele zu viel. Sie brechen psychisch zusammen.

 Diese Belastungen in der Rushhour des Lebens führen wiederum zu extremen Situationen im Familienleben, Erziehungsdefiziten bei den Kindern oder zu Ehescheidungen. Somit baut sich ein Klima auf, in dem wiederum die Kinder psychisch krank werden können und diese Störungen mit ins Erwachsenenleben neh¬men. Internationale Schätzungen gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2020 die psychischen Erkrankungen bei Kindern sogar um die Hälfte zunehmen werden. Es sind zu großen Teilen unsere gesellschaftlichen Verhältnisse, das Leben, wie wir es leben — zum Teil leben müssen —, was Menschen in seelische Nöte stürzt. Einen Generalausweg aus dieser Situation scheint es nicht zu geben.

 In einer westlichen Welt, in der sich Menschen mehr und mehr von Gott abwenden, wird sich auch kein heilsamer Ausweg auftun. Es bestätigt sich immer wieder ein Zusammenhang, den der Liederdichter Manfred Siebald so ausdrückt: "Es geht ohne Gott in die Dunkelheit, aber mit ihm gehen wir ins Licht. Sind wir ohne Gott, macht die Angst sich breit, aber mit ihm fürchten wir uns nicht!" (topic)

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