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Losung des Tages

Durch Glauben verstehen wir, daß die Welten durch Gottes Wort bereitet worden sind, so daß die Dinge, die man sieht, nicht aus Sichtbarem entstanden sind.
Hebräer 11,3

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Zorn Gottes

Ich komme mir vor wie Jeremia, der klagte: „Du hast mich überwunden und ich habe mich überwinden lassen . . .“. Ich meinte, Leute meiner Generation hätten hier nichts mehr zu sagen. Aber – wer kann Regina widerstehen? – Und nun bin ich dabei einen faux pas zu machen. Ich habe ein Thema, das nicht zeitgemäß ist, über das man nicht sprechen sollte und in dessen Zentrum ein anrüchiges, fast unanständiges, eigentlich unaussprechbares Wort steht. Statt es in eigene Worte zu fassen lese ich einen Vers aus Jes 12:

„Ich danke dir, HERR, dass du zornig über mich gewesen bist und dein Zorn sich gewendet hat und du mich tröstest.“ Jes 12,2

„Zorn Gottes“, ein „Gott der zürnt“, und wenn wir das sagen, dann sprechen wir von Gott dem Richter – darf man das sa-gen bzw. darf es den geben? Seit mehr als 25 Jahren begleitet mich diese Frage.

a) Jes. 12, ist ein vorgeschriebener Predigttext in der EKiD und in der Wttg. Landeskirche. Als das Mitte der 80er Jahre dran war, erhob sich in unserem Berufsblatt über Monate ein Sturm der Entrüstung, wie man über so einen Text predigen könne. Das müsse aufhören.

b) Jesus House in Freiburg. Ein Evangelist vom Janzteam wagte es, das Unaussprechliche auszusprechen. Nicht ganz geschickt, aber sei‘s darum. Ein Sturm der Entrüstung in der Lokalpresse. Innerhalb von 24 Stunden war der Evangelist von der Allianz ausgeladen und gefeuert. Die Nachgefechte fanden in IDEA statt – mit einem be-achtenswerten 2-Seiten Beitrag von U. Parzani und we-niger beachtenswerten Leserbriefen danach.

c) JuMiKo. Ulrich Weinhold, zuständig für Organisation, bat mich zum Thema sprechen: Der Gott des AT – zornig und gerecht – und die Völker. Wo bleibt da die Liebe? Ich sagte: Uli, das geht nicht: das Thema ein Affront. Er: Das muss sein. Also überlegte und feilte ich an dem Thema, damit das Unausprechliche und Anstößige weggeräumt wird. Schließlich sagte ich mir: Alter Mann, unbekannt, falsches Thema. Kommt doch keiner. Also – gleichgültig. Dann lese ich: Saal mit 500 Plätzen. – Na, da werde ich einsam sein. Der Saal war voll bis auf den letzten Platz. Anschließend eine Reihe Fragender.

d) Vor drei Tagen las ich eine Semesterarbeit, die folgen-dermaßen begann: „Beim Durchlesen des Buches Jeremias stäubte sich anfangs alles in mir. Es schien mir ständig um Gericht, Strafe, Vergeltung zu gehen. Ich fragte mich, ob Gott wirklich so ein rachelüsterner Gott sei, der nur darauf pocht, dass alle seine Bedingungen erfüllt werden. Dass passte gar nicht in das Verständnis, das ich mir von Gott machte. Anfangs nahmen mich diese Gedanken so ein, dass es mir schwer fiel, aus dem, was ich in Jeremia las, einen Gewinn oder eine Erkenntnis zu ziehen.“ Soweit. Nebenbei er änderte die Meinung im Verlauf der Lektüre und am Schluss stand sogar eine gute exegetische Ar-beit. Ich weiß, dass ich jetzt einige Studenten für den nächsten Jeremiakurs verloren habe. Doch frage mich sogar angesichts der von Katharina Rempel vorgestern ausgelegten Einladung zu dem Seminar: „15 Bibelübersetzungen in 10 Jahren – brauchen wir das?“ ob man nicht eine 16. hinzufügen sollte: „Die zornfreie Bibel.“ Das könnte ein Verkaufsschlager werden. Nur nebenbei, so wollte es schon Markion von Sinope um 165 n.Chr. und die DC im Dritten Reich. So will es die liberale Theologie seit der Aufklärung. Aber werden wir damit den Zorn Gottes los? In Thessalonich wurden die Menschen Christen, um dem „kommenden Zorn Gottes zu entrinnen“, und bei der Wiederkunft Jesu versuchen sich die Menschen zu verbergen, vor dem „Zorn des Lammes“. Das Lamm ist anscheinend kein so zahmes Kuschel- oder Streicheltierlein, wie man sie im Kinderzoo findet. Doch was soll das Gerede? – Worum geht es denn beim Zorn Gottes?

Lassen Sie mich zunächst feststellen: Wir können uns nicht einen Gott schaffen, wie er uns gefällt. Das tat Aaron nach dem Auszug aus Ägypten und es geschieht fortwährend. Und wir können nicht den Zorn Gottes mit dem unsrigen vergleichen. Unser Zorn ist der Abgrund der Unbeherrschtheit, wo wir nicht wissen, was wir tun. Das gilt nicht nur für Männer; kein geringerer als F. Schiller spricht davon: „Da werden Weiber zu Hyänen“. Ich musste das noch in der Schule lernen, heute weiß man das so. Nein, Gottes Zorn ist nicht mit dem der Menschen zu vergleichen. Menschenzorn führt zum Bösen und macht den Menschen kaputt. Gottes Zorn ist das Nein gegen alles Böse und gegen alles, was Menschen kaputt macht.

Wir empören uns gegen Abtreibung, Kinderschändung, Völkermord, Bestechungsskandale, Massenvergewaltigungen. Gottes Zorn ist sein Nein gegen alles Unrecht und Böse, das den Menschen verachtet und kaputt macht. Das ist Gottes Zorn, sein Nein zur Sünde, weil die Sünde den Menschen kaputt macht. Deshalb ist der Zorn Gottes nicht auf das Alte Testament beschränkt. Im NT wird am häufigsten davon im Römerbrief gesprochen, wo uns doch das Wort der Rechtfertigung gesagt wird. Und das Menschen verachtende Unrecht hat kein Ende. Ich erinnere an die Hinrichtung von 24 Mill. Menschen unter Stalin in den Säuberungsktionen der 30er Jahre, um den Sowjetmenschen zu schaffen, an die 14 Mill. unter Mao, an die 6 Mill. Juden unter Hitler, an die 1,5 Mill. unter Pot Pol, an rücksichtslose Vertreibungen usw. Deshalb jubelt in den Psalmen die ganze Schöpfung über Gottes Ge-richt. Wir wollen Gerechtigkeit. Gott schafft sie durch sein Richten, vorläufig und in dieser Welt noch gebrochen, aber einst vollkommen. Wer diesen richtenden Gott nicht will, der muss das Böse, das, was Mensch und Schöpfung ruiniert wol-len. So steht hinter Gottes Zorn über das Böse und sein Richten in der Geschichte nicht Gottes Grausamkeit, sondern seine Liebe die diese Welt unter keinen Umständen dem Bösen überlassen will. Ja, der Student der die Seminararbeit schrieb, hatte recht: Der Zorn Gottes ist schrecklich. Schrecklicher wäre es, wenn Gott alles Böse in dieser Welt ab nicken würde und sie dem Bösen überließe. Dann wäre er der Böse Gott! N.T. Wright schreibt in seinem Buch: Surprised by Hope, dem Sinn nach, wer den Zorn Gottes nicht will, der will die Ewigkeit des Bösen und verzichtet auf Gottes neue Welt.

Wenn Gottes Zorn so über dieser Welt liegt, gibt es einen Ausweg. Nein – kein Mensch hätte den wegschaffen können – das konnte nur Gott. Und er tat es. Dazu musste er Mensch werden – und er tat es. Dazu musste er einen Leib annehmen – und er tat es. Dazu musste er die Sünde die Sünde der ganzen Welt und meine Sünde auf sich nehmen, und er tat es. Wenn wir fragen, wo der Ort ist, wo die gesamte Bosheit der Welt sich in einer Person findet, dann nicht Hitler, nicht Stalin, nicht Mao, nicht Napoleon, nicht Komeini usw.. Das ist Jesus, dort auf Golgatha. Ludwig Hofacker, der nach nur zweijähriger Wirksamkeit in Rielingshausen dreißigjährig starb, sagte:

„Sieh deinen Bürgen in Gethsemane, wie er den ganzen Zorn der in den Staub getretenen Herrlichkeit Gottes auf seinen heiligen Rücken nimmt. Sieh, wie er sich stellvertretend für dich vor dem Angesicht des Vaters krümmen muss. Und siehe, er hängt am Kreuz in den brennendsten Schmerzen, blutend, verschmachtend, sterbend, den Zorn Gottes tragend. Das ist für deine Schuld. Hier ist das Meer der Erbarmung. Hier ist der Zorn Gottes gestillt.“ - - -So eine Erlösung will ich nicht, wozu das ganze Theater?

Ich gebe noch eine andere Beobachtung weiter. Wer aufmerksam Gottesdienste und Predigten in den letzten Jah-ren erlebte, konnte beobachten, dass der Name Jesu immer seltener wurde. Ja, von Gott spricht man. Neulich hieß es in einem Leserbrief im DPfB: „Es gottet nur so in den Gottesdiensten, aber von Jesus ist nichts mehr zu hören.“ „Gott ja – aber warum Jesus?“ Hier besteht ein Zusammenhang: Wo man vom Zorn und Gericht Gottes nichts mehr wissen will, da braucht man auch Jesus nicht mehr. Er, Jesus, errettet von dem kommenden Zorn. Dann wird auch alles andere wichti-ger als das Evangelium von Jesus. Auch in den Liedern ist der Name Jesus verschwunden. Man sang einst: Jesus Name nie verklinget. Jesus meine Freude. Jesus soll die Losung sein. Sind sie verstummt? Und doch liegt in diesem Namen die Verheißung. Die Apostel wollten sich nicht verbieten lassen, in diesem Namen zu reden. In diesem Namen sollen sich einst alle Knie beugen. Dieser Name soll bis an das Ende der Erde verkündigt werden. Und um dieses Namens willen vergossen die Märtyrer aller Zeiten ihr Blut.

Die Sprecher in Jes 12 sind Leute, die dem Zorn Gottes ausgeliefert waren. Nur Gott konnte und nur Gott hat sie ge-rettet. Deshalb jubeln sie jetzt und singen: Danket dem HERRN, ruft aus seinen Namen! Macht kund unter den Völkern sein Tun. Verkündigt wie sein Name so groß ist. Das treibt sie zur Mission. Paulus 2Kor 5,11: „Weil wir wissen, dass der Herr zu fürchten ist, suchen wir Menschen zu gewinnen. . . . Denn die Liebe Christi drängt uns . . . “.

Wir haben die Wahl. Wir können den Zorn Gottes ernst nehmen – and we better do so. Dann müssten wir verzwei-feln müssen, wenn wir uns nicht an Jesus klammern können. Jesus wird dann auch im Zentrum unseres Lebens und Auftra-ges stehen. Oder wir können vom Zorn Gottes schweigen, ihn todschweigen, eine zornfreie Bibel herausgeben – doch konsequenterweise müsste das auch eine jesusfreie Bibel sein, denn er kam um der einen Aufgabe willen: dass er uns v or dem kommenden Zorn errettet. Weil wir um den „kommenden Zorn Gottes“ wissen, deshalb können wir nicht von Jesus schweigen, sondern er ist uns der Wichtigste.

Dr. Helmuth Egelkraut
 

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